Besuch bei Michael Graeve in Castlemain, Australien

20.04.2017

Unser nächster Bericht führt nach Australien – zu einem Besuch bei Michael Graeve in Castlemain, Australien, und zum Aufbau der großen Installation in der Incinerator Gallery in Melbourne (ein Kooperationsprojekt mit Christoph Dahlhausen).

 

Nach Melbourne sind es ‚nur‘ 22 Stunden Flug plus Zwischen- Aufenthalte in Dubai und Singapur, quasi ‚nur ein Katzensprung‘. Schön wäre es, wenn es so wäre! Denn ein Besuch lohnt sich allemal.

Michael Graeve (* 1971) ist Dozent an der RMIT University in Melbourne, lebt aber mit seiner Familie, seiner Frau Elissa und seinen beiden Mädels, auf dem Land. Er spricht fließend Deutsch, weil er zwischen 1977 – 1987 am Bodensee lebte.

Wir besuchten ihn zu Hause, sahen seine malerische Editionsarbeit für youngcollectors entstehen und begleiteten ihn während des Aufbaus seiner großen Ausstellung „Tensioned Structures“, eine weitere Kooperation mit dem Bonner Christoph Dahlhausen. Dahlhausen hat seinen Lebensmittelpunkt zwar im Rheinland, lebt aber zeitweise auch in Melbourne. Die erste Edition, mit der YC Michael Graeve vorstellte, war eine Kooperation der beiden Künstler. Beide sind bildende Künstler und Musiker, d.h. bei Graeve liegt der Fokus allerdings eher auf Sound und Geräusch, denn auf Melodie und Harmonien.

Im November 2016 boten die beiden eine herrliche Klang-Performance in der YC Galerie in Miel. Wie bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2010, arbeiteten die beiden befreundeten Künstler dieses Mal vielmehr im Bereich der bildenden Kunst zusammen. In ihrer Arbeit sind letztlich die Grenzen fließend. Dahlhausen arbeitet vorwiegend bildnerisch, greift seltener zu seinem Violoncello, während Graeves Werk ein permanenter Crossover von Klang, Malerei, Farbe und Geräusch ist.


Michael Graeve beim Komponieren

 


Kompositions-Ausschnitt

Die Incinerator Gallery in Mooney Ponds, Melbourne, ist ein wunderbar erhaltener, denkmalgeschützter Bau des in Europa weniger bekannten Architekten Walter Burley Griffin, der auch den Masterplan für Australiens Hauptstadt Canberra entwickelte. Der Bau dient seit langem nicht mehr dem ursprünglichen Zweck (Incinerator = Müllverbrennungsanlage), sondern ist Städtische Galerie.


Rückansicht des Incinerator Buildings von Walter Burley Griffin


Graeve und Dahlhausen waren eingeladen eine ortsbezogene, aufwendige Installation zu entwickeln. Die Elemente waren bzw. sind Gerüststangen, Leuchtstoffröhren, Kabel und Kabelbinder, Lack auf Holzpaneelen, Lautsprecher, 3 Kanal Sound Komposition, Player. Der Prozess der Entstehung war spannend und auf australische Weise unorthodox.


Die im Baumarkt besorgten Holzlatten wurden wegen des trockenen sonnigen Wetters kurzerhand draußen gestrichen.

In der Galerie angekommen, konstruierten die beiden Künstler zunächst die Gerüststruktur, platzierten die Leuchtstoffröhren, dann die gelben Paneele, zuletzt schließlich die Sound-Komponenten.

Fine Tuning der Soundarbeit

Das Ergebnis war phantastisch, der Besuch bei der Eröffnung ebenso, und die auch die Resonanz war umwerfend…

 

Die gelben Paneele wechselten im nachlassenden Tageslicht ihren Gelbton, erschienen wärmer, fast rötlich. In der Nähe von Neonlicht kippten sie in Grüntöne. Dieses Farbspiel zusammen mit den in der Dämmerung intensiver strahlenden Leuchtstoffröhren tauchte die Besucher am Eröffnungsabend in ein Erlebnis von Zeit, Linie und Struktur, von Farbe, Dauer und Raumklang.

 

Ein Besuch ‚down under‘ lohnt sich immer! Auch nach dem Ende der Ausstellung!