Frühling

 

08.04.2019

Frühling

 

Es ist Frühling – unverkennbar.
Allerorten blühen und sprießen sie aus dem Boden: Forsythien, Narzissen, Anemonen, Primeln, Schneeglöckchen… und Kunstmessen.
In Paris gibt es mittlerweile 11 verschiedene, in London 9, in Basel nur 8. Eigentlich können Sie permanent von einer Messe zur anderen eilen, von Ulm, über Stockholm, Mailand, Venedig, Salzburg, Eindhoven, Brüssel, Jerewan, Vancouver, Monte-Carlo, Vilnius bis nach Weilheim. Und die Art Cologne -vor der Haustür -natürlich nicht zu vergessen.
Manche sind sicherlich sehr spannend, andere entbehren nicht einer gewissen Redundanz.
Von einer der besonderen Messen konnten wir uns jüngst ein Bild machen. Und diese können wir Ihnen absolut empfehlen: Die Zona Maco in Mexcio City.
Erwartet hatten wir einen eher regionalen Kunstmarkt mit einem gehörigen Maß an Folklore. Doch weit gefehlt!
Endlich in der wunderbaren 25 Millionen Einwohner-Metropole angekommen, überfällt einen die Stadt mit einem Farbrausch und überwältigender Energie. Fremdartiger Charme umgibt einen, und herrliche Bilder entstehen. Das warme trockene Klima tut ein Übriges, um sich richtig wohl zu fühlen.  

  

 

 

                

      

Kein Panflöten-shop, sondern ein Laden für Schrauben und Eisenwaren 

Die Messe selbst – wie wäre es anders zu erwarten – klimatisiert den Reisenden dann allerdings herunter auf deutsche Februar-Temperaturen.
Doch geht ihm das Herz auf, wenn er die Qualität vieler ausgewählter und einzigartiger Werke sieht.
Das „line-up“ der Galerien muss sich nicht verstecken, sondern ist dem der Art Cologne allemal ebenbürtig. Internationale Player (Kasmin, Continua, Kelly, Kurimanzutto, Marlborough, Pace, Perrotin, Rech) aber auch kleinere ambitionierte Galerien aus der ganzen Welt geben sich ein Stelldichein und haben Preziosen „herangeschafft“, die dem Kunsthungrigen die ersehnte Wonne vergönnen: Museale Werke u.a. von Robert Morris, Agostino Bonalumi, Julio Le Parc, dessen sehenswerte Solo-Ausstellung mit Gouachen der 1959er Jahre übrigens gerade im New Yorker Met Breuer Museum zu Ende gegangen ist, aber auch viel Unbekanntes auf hohem Niveau.

 

                                                          Robert Morris,1972                                                                                                                                 Julio Le Parc

 

                                                                                                                                            

Agostino Bonalumi 

Der in Europa fast unbekannte Gabriel de la Mora, in Mexico aber bereits mit Star-Status, präsentiert bei Proyectos Monclova aus Mexico City eine Serie von kleinen und mittelgroßen Tafelbildern, die sich auf die museale Problematik von Fälschungen bezieht. Er kauft Fälschungen, schleift sie teilweise ab und verarbeitet die geschliffene Farbe dann wieder, um fast monochrome, stille Leinwände entstehen zu lassen. Aus der Destruktion von Falschem erwächst Nachdenkliches voller Sinnlichkeit.

 

Gabriel de la Mora

Bei Nordenhake aus Berlin finden wir den alten Bekannten Spencer Finch mit einer subtilen Neon-Arbeit, bei Kurimanzutto eine wunderbare kleine, feine Arbeit von Gabriel Orosco, der gleich dreimal auf der Messe präsent ist.

Spencer Finch

Gabriel Orosco

 Auch weniger powervolle Galerien aus Mexico waren am Start und zeigten Spannendes, unter anderem einen unserer Künstler, Christoph Dahlhausen, mit einer wandfüllenden Acrylglasinstallation, die ihre neue Heimat in Mexico fand.


Christoph Dahlhausen bei La Estacion Arte Contemporaneo aus Chihuahua

Jaumes Plensa

Bei Lelong ruht, offensichtlich von Markgeschehen gänzlich unbeeindruckt, ein großartiger Marmorkopf von Jaume Plensa, dessen Pendant der Kundige aus dem Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal kennt. Der Lokalmatador, die OMR Gallery, aber setzte dem Ganzen die Krone auf.  James Turrell ist seit langem weltweit mit wunderbaren begehbaren Licht-Räumen und Skyspaces präsent, wie z.B. im Lichtkunstzentrum in Unna oder noch bis September in einem sehr sehenswerten Ganzfeldraum im Garten des Jüdischen Museums in Berlin (eigentlich ein Muss für jeden Berlinbesucher!).  Aber messegängige Werke des US-Lichtkunst-Stars sind eine Rarität. Bei OMR entdeckten wir eine unglaubliche Wandarbeit, deren Farben die Messebesucher anzog wie Honig die Bären.

 

James Turrell

Wer genug Muße hatte, genoss den Farbenspiel-Loop über eine halbe Stunde. Wie besonders und sehenswert dies ist, zeigt auch, dass die diesjährige Art Cologne auf ihrer Webseite mit diesem Bild aufmacht. Wohl dem der die Chance hatte, die atemberaubende Installation in Mexico zu erleben. Für alle, die dies versäumten, bleibt die Aussicht auf ein hoffentlich ähnliches Erlebnis in Köln.