München - Im neuen Jahr

 

06.01.2018

4 YC Künstler in München vertreten

 

Wer noch nie den Münchner Weihnachtsmarkt gesehen hat, kommt nun – Anfang Januar 2018 – eindeutig ein wenig spät. Diese Chance ergibt sich erst wieder Ende November, und allen Lebkuchenliebhabern sei dieser Weihnachtsmarkt als echte Alternative zum Nürnberger empfohlen.
München im Dezember lohnte sich zudem aber auch wegen der spannenden und spielerisch leichten Ausstellung von Piet Tuytel in der Galerie Smudajescheck. Der im Niederländischen Haarlem lebende Bildhauer zeigt seine Werke zum wiederholten Mal bei Charlotte Smudajescheck, erstmals allerdings in den neuen Münchner Räumen der Galerie, die im November 2016 aus Ulm komplett umzog.

 

 

Tuytels bildhauerischer Ansatz ist ein äußerst ökonomischer. Er nutzt vorhandenes Material, meist Metalle (Stahl und Aluminium), und bringt es kombinatorisch zu neuem Leben. In der Regel sind seine bildhauerischen Eingriffe, so präzise sie gesetzt sind, immer minimal und beschränken sich auf das Bohren von Löchern, die nötig sind um die Kombinationen zum Halten zu bringen, oder Absägen um die rechte Längenproportion von zwei Metallteilen zu erreichen. Der dann vordergründig deutlich sichtbarere Eingriff ist die farbliche Fassung/der Anstrich, den das Metall erfährt. Denn Tuytels Objekte sind Farbkörper im Raum im besten Sinne. Sie aktivieren den Raum durch die spezifische und exakt gezielte Setzung des Künstlers. 

 

Arbeiten von von Piet Tuytel


Relativ neu ist bei Piet Tuytel die Verwendung von PE-Klebefolien in starken Farben. Diese verwendet er für grafische Arbeiten wie auch zur farblichen Gestaltung von zugeschnittenen, umfunktionalisierten Metallregalböden. Die horizontalen Regalböden werden zu vertikalen Bildobjekten. Diese ganz neuen Arbeiten sind eine hochspannende Erweiterung seines Konzeptes, Raum zu nutzen und Raum zu thematisieren. 

 

 

Wenn auch diese herrliche Chance leider verpasst ist, Weihnachtsmarkt und Piet Tuytels Ausstellung zu erleben, so lohnt dennoch und gerade jetzt - im Januar - ein Besuch der Bayrischen Landeshauptstadt aus vielen Gründen. 

Fünf der Gründe sind wunderbare Ausstellungen, die dem Leser nur wärmstens empfohlen werden sollen.

Bis zum 25.1. läuft in der Galerie Karin Wimmer die Ausstellung "Boogie Woogie Rhythm Section", 100 Years after De Stijl. Mit von der Partie sind neben verschiedenen anderen internationalen Künstlern die youngcollectors (YC) Künstler Christoph Dahlhausen, Henriëtte van't Hoog und Iemke van Dijk.

„Rhythm Section“ (RS) ist eine 2010 in München gegründete internationale Künstlergruppe, die Projekte zum Thema Rhythmus in der Bildenden Kunst organisiert. In München nun war RS von Karin Wimmer eingeladen, im Zusammenhang mit dem hundertjährigen Jubiläum der niederländischen Gruppe De Stijl auszustellen. 

 

 

Iemke van Dijk ist mit zwei neuen Arbeiten aus der Serie ihrer grafischen Bleistift-Kreise vertreten, die auch ähnlich in unserer Edition zu erleben ist. Von Henriëtte van't Hoog sind vier Ihrer herrlichen farbintensiven Raumkörper zu sehen. Bereits vom Bürgersteig aus ziehen sie den Betrachter buchstäblich in die Galerie hinein. Vor den Objekte stehend haben diese eine magische Farbwirkung,  sie scheinen zu leuchten.

 

Henriëtte van't Hoog @ Galerie Karin Wimmer, München

 

 

 

Im zweiten Galerieraum macht die von Christoph Dahlhausen beigesteuerte Lichtinstallation „Stabilizing Light München“ einen vergleichbaren Job, sie strahlt nach draußen und wirkt zugleich nach drinnen. Die gegenüberliegende Wand wird von einer Gruppe der autolackierten Bodies-Arbeiten von Dahlhausen rhythmisiert.

 


 

 

 

 

Der Bezug zu der Gruppe De Stijl ergibt sich auf den verschiedensten Ebenen bei den meisten der ausgestellten Werke. Das Wechselspiel der variantenreichen Positionen könnte man sich gut in größerem Rahmen, so zum Beispiel in einem Kunstverein vorstellen. Aber auch so lohnt die gezeigte Zusammenstellung einen Besuch.

Etwas weiter als in Laufentfernung zur Galerie auf der Amalienstrasse findet sich im Lenbachhaus neben der stark frequentierten und hochinteressanten Gabriele-Münter-Ausstellung „GABRIELE MÜNTER. Malen ohne Umschweife“ (31. OKTOber 2017 – 8. April 2018), die zweite Ausgabe der Show „Mentales Gelb. Sonnenhöchststand“ der Bonner Privatsammlung KiCo, die von Mai bis August 2017 in ganz anderer Werkekombination schon im Bonner Kunstmuseum zu sehen war. Was Herr und Frau Riemer in den Jahren ihrer Sammlertätigkeit zusammengetragen haben, gehört zur Creme der internationalen zeitgenössischen Kunst.

youngcollectors freut besonders, dass unser Künstler und Freund Rolf Rose mit einer hervorragenden Gruppe seiner monochromen Malerei aus den Jahren 1970 – 1999 vertreten ist. Rolf Rose bespielt hier fast einen ganzen Raum.

 


                               
Rolf Rose im Lenbachhaus 2017

                          

Diese großartige Show ist noch bis Ende Januar zu sehen 

Im selben Haus lohnt sich aber auch und explizit die Ausstellung „Joseph Beuys / Einwandfreie Bilder 1945-1984“ (14. November 2017 - 18. März 2018)

 

 

Seine Papierarbeiten, wie zum Beispiel die hier abgebildete – erleben eine Wiedergeburt und haben teilweise eine hochpolitische aktuelle Relevanz. Neben diesen Kleinodien der Papierarbeiten des Großmeisters ist aber auch ein Großteil des Sammlungsbestandes der Beuys Arbeiten in neuer Präsentation sehenswert.

 

 

Joseph Beuys – Zeige Deine Wunde, 1974/75 (Ausschnitt

 

Wie man sieht, verspricht ein Besuch der wunderschönen Stadt München im Januar reichhaltige Kunsterlebnisse. Aktuell sind 4 YC Künstler in München vertreten. Wer es allerdings nicht rechtzeitig schafft, dem sei die Ausstellung in raum2810 in Bonn ans Herz gelegt, wo die genannten youngcollectors-Künstler in der Präsentation der gesamten Edition zu sehen sind.